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Von Christiaan Huygens bis Ferdinand Berthoud – drei innovative Uhrmacher

Christiaan Huygens, Wegbereiter der Präzisionsuhrmacherei

Christiaan Huygens wird am 14. April 1629 in eine hochgestellte Familie in Den Haag (Niederlande) hineingeboren. Er profitiert vom Verkehr mit den seinen Vater umgebenden Dichtern und Diplomaten, doch sein eigentliches Interesse gilt den Geheimnissen der Wissenschaft.

Er beginnt ein Jura- und Mathematikstudium, bevor er sich schliesslich der Physik und der Astronomie zuwendet. Angespornt durch das damals herrschende, freiem Denken zugetane Umfeld in den Niederlanden reiht er unermüdlich wissenschaftliche Arbeiten und Entdeckungen aneinander.

Zu den beeindruckendsten von Huygens eingeführten Neuerungen zählen zweifelsohne jene im Bereich der Uhrmacherei. 1656 optimiert der holländische Wissenschaftler die Pendeluhr. Er nimmt die Formel von Galilei zum Isochronismus – der gleich lang dauernden Schwingung unabhängig von der Schwingungsweite – des Pendels wieder auf und feilt sie aus, um bei ihrer Anwendung auf Uhren an Präzision zu gewinnen.

1659 perfektioniert er den Isochronismus des Pendels ein weiteres Mal, indem er das Zykloidenpendel erfindet. Er befestigt zwei zykloidenförmige Backen so in der Nähe des Aufhängepunkts des Pendels, dass sie den halbstarren Stab dazu zwingen, eine Zykloidenbahn zu beschreiben. Hierbei ist die Schwingungsdauer immer gleich, unabhängig von der Schwingungsweite.

Pendule cycloïdal
Zykloidenpendel:  Die Bahn von Punkt m ist eine Zykloide, die Evolvente dieser Bahn ist die Kurve, die die  schattierte Fläche begrenzt, und die Länge des Pendels variiert mit der Position der Masse.

 

1675 erfindet Huygens die Spiralfeder, die bis heute in den meisten mechanischen Uhrmodellen eingebaut ist und diese zum Laufen bringt, denn sie speichert die Energie, wenn man die Uhr über die Krone aufzieht. Um Näheres zum Funktionieren einer mechanischen Uhr und der Bedeutung der Spiralfeder zu erfahren, können Sie sich unseren entsprechenden Blogartikel (lien vers notre article fonctionnement d’une montre mécanique/Link zu unserem Artikel zur Funktionsweise einer mechanischen Uhr) ansehen. Daraufhin stellt er ein erstes Uhrenmodell mit einer Unruh mit Spiralfeder, gefertigt vom französischen Uhrmacher Isaac Thuret, der Royal Society vor.
Theoretiker und Experimentator in einem, war Christiaan Huygens einer der Wegbereiter modernen wissenschaftlichen Denkens.

Pierre Jaquet-Droz, Genie der Uhrmacherkunst und komplexen Mechanik

Pierre Jaquet-Droz wurde am 28. Juli 1721 in La Chaux-de-Fonds (Schweiz) geboren. Seine Familie waren wohlhabende Uhrmacher-Bauern. Nach einer Erstausbildung in Mathematik, Physik und Theologie wendet er sich der Uhrmacherei zu.
Von 1738 bis 1747 widmet er sich der Herstellung zahlreicher Bodenstanduhren, die sich von anderen Modellen durch ihre Komplexität abheben. Als Fachmann für die Prinzipien der Mechanik entwickelt er eine regelrechte Leidenschaft für die ausgeklügelten Funktionen seiner Automaten, mit denen er seine Uhrwerke ausschmückt, was rasch eine vermögende Kundschaft anzieht.

Auf Rat von Lord Marischal, Gouverneur des Fürstentums Neuenburg, reist er 1758  mit seinem Schwiegervater und einem jungen Arbeiter nach Spanien. In seiner Kutsche reisen sechs Pendeluhren mit. Er stellt sein Werk König Ferdinand VI. von Spanien vor, der von der berühmten Standuhr, die auf Wunsch schlägt, ohne dass man auch nur einen Finger zu rühren braucht, ganz fasziniert ist.

Als er 1759 mit einer beachtlichen vom spanischen König zugesprochenen Geldsumme wieder in La Chaux-de-Fonds zurück ist, widmet sich der Schweizer Uhrmacher ganz der Herstellung seiner Uhren, Pendeluhren und Automaten, die Berühmtheit erlangen. Während er immer mehr produziert und verkauft, schafft er auch noch drei äusserst komplexe Androiden: die Organistin, den Zeichner und den Schreiber.

Der Zeichner, die Organistin und der Schreiber

 

Der Zeichner, die Organistin und der Schreiber

 

Diese drei Werke stellen den Höhepunkt seines Schaffens dar; sie festigen seinen Ruf und garantieren den Erfolg seines Unternehmens für die folgenden Jahre sowohl auf Schweizer Boden als auch im Ausland.

Ferdinand Berthoud, genialer Uhrmacher und Mechaniker der Marine

Ferdinand Berthoud wurde am 18. März 1727 in Plancemont-sur-Couvet (Schweiz) in eine angesehene Familie hineingeboren. Er geniesst eine solide wissenschaftliche Bildung und zieht nach Paris, als er volljährig ist, um sich im Beruf eines Uhrmachers und Pendeluhrspezialisten zu perfektionieren.

Seine Fähigkeiten auf den Gebieten der Wissenschaft, Technik und Mechanik lassen ihn im Alter von 26 Jahren auf speziellen Erlass des Königs von Frankreich hin zum Uhrmachermeister avancieren. Ein Jahr zuvor schon hatte der junge Uhrmacher die Mitglieder der Académie royale des sciences mit seinem erstaunlichen Projekt zur Herstellung einer Pendeluhr mit Zeitgleichung beeindruckt.

Infolge seiner Auszeichnung eröffnet Ferdinand Berthoud seine eigene Werkstätte in Paris. Sein Name und sein Erfolg wachsen, stark gefördert durch die Veröffentlichung seiner detaillierten Forschungsarbeiten, mit denen er einen wichtigen Beitrag zum Fachwissen auf dem Gebiet der Uhrmacherkunst leistet.  Als sehr produktiver Forscher schreibt er auch an der zwischen 1751 und 1772 von Diderot und d‘Alembert, zwei zeitgenössischen französischen Schriftstellern, herausgegebenen Enzyklopädie («L‘Encyclopédie») mit.

Inmitten einer vom intensiven Streben der europäischen Höfe nach Beherrschung der Bestimmung der Längengrade gekennzeichneten Epoche wurde Ferdinand Berthoud von König Ludwig XV. nach London beordert, wo er die Schiffschronometer von John Harrison studieren soll.

 

 Marinechronometer n° 4535 von Breguet mit Elementen von Berthoud

 

Nun als Mitglied der Royal Society zugelassen, wird er zum «Hof- und Marineuhrmacher und -mechaniker» ernannt und treibt seine Forschungen und Erfindungen auf dem Gebiet der Verfeinerung der Uhrenmechanismen voran.

Neben seinen zahlreichen Innovationen ist es Berthoud gelungen, einen Grossteil seiner Karriere dem Verfassen und Veröffentlichen verschiedener Schriften zu widmen und so die nachfolgenden Generationen mit seiner Fachkenntnis dazu zu motivieren, selbst schöpferisch tätig zu werden.

Das aufsehenerregende Schaffen dreier berühmter Uhrmacher

Diese drei berühmten Uhrmacher haben, wie viele andere auch, einen gewichtigen Beitrag zur Entwicklung der Uhrmacherei geleistet. Forscher mehr denn Mechaniker, verspürten sie die magische Anziehungskraft der Uhrmacherkunst und deren Herausforderung, immer neue Fortschritte bei der Zeitmessung zu erzielen.
Ihre Forschungen haben zu bedeutenden Erfindungen geführt, die die Uhrmacherei hinsichtlich Genauigkeit, Raffinesse und auch Vermarktung revolutionierten.

So sehr waren sie von den Werten Perfektion, Präzision und Innovation beseelt, dass die drei Erfinder ihr Leben diesem einen Ziel widmeten: dem Messen der Zeit.

Uhrmacher sein heisst, ein Zeitkünstler zu sein. Heisst, Meister dessen zu sein, was unseren Alltag einteilt. Heisst, die Mechanismen zu kennen, die das messen, dem wir ständig nacheilen. Initium, das sich als Botschafter der Uhrmacherei versteht, ermöglicht allen Interessierten, das Geheimnis der mechanischen Uhr zu lüften und den eigenen Zeitmesser zu schaffen , dem ein Hauch von Unvergänglichkeit anhaftet.

Bei Initium seine eigene Uhr schaffen, in Le Noirmont, Genf oder Gebertingen.


Quellen 

Chronotempus (s.d.). « Ferdinand Berthoud ». Consulté le 14.09.2021.
Haute Horlogerie (s.d.). « Galileo galilei (dit galilée) ». Consulté le 21.09.2021.
Herivel, John (2021). “Christiaan Huygens”. Encyclopedia Britannica. Consulté le 14.09.2021.
Le Point (2012). « Pierre Jaquet-Droz ». Consulté le 14.09.2021.

Images :

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