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Die Uhrmacher-Grundausrüstung 

 

Das elementare Uhrenwerkzeug

 

Kornzangen: eine Erweiterung Ihrer Finger

Antimagnetisch, mit feiner Spitze oder sehr feinem Schnabel – die Auswahl ist gross. 

Als Kornzangen bezeichnet man Pinzetten, die für Präzisionsarbeit und das Manipulieren diverser Uhrenteile wie Schrauben, Räderwerke oder Triebe benutzt werden. 

 

Eine unserer Initium-Kornzangen
Eine unserer Initium-Kornzangen 

 

Sie bestehen meist aus Stahl, doch gibt es auch Uhrmacherpinzetten aus anderen Materialien. 

 

  • Kohlenstoffstahl: Dieses sehr harte und widerstandsfähige Material wird oft verwendet, wenn bei der Arbeit ein gewisser Druck ausgeübt werden muss, wie beim Arbeiten an der Spirale. Hingegen zeichnet sich Kohlenstoffstahl zwar durch hohe Festigkeit aus, ist aber nicht korrosionsbeständig und auch nicht antimagnetisch.
  • Nichtrostender Stahl: Der für seine ausgezeichnete Hitzebeständigkeit bis etwa 400 °C bekannte «Chromstahl» ist korrosionsbeständig, obwohl er verformbarer ist als Kohlenstoffstahl. 
  • Antimagnetischer Stahl: Wie schon durch seinen Namen angedeutet, ist dieses Material antimagnetisch, zu 80 %. Ausserdem widersteht es hohen Temperaturen und ist korrosionsbeständig.
  • Titan: Dieses Metall ist nicht nur zu 100 Prozent antimagnetisch, gut verformbar und hitzebeständig, sondern hat auch den Vorteil, leicht zu sein. So ist es 40 % leichter als nichtrostender Stahl. Sein Nachteil ist hingegen der recht hohe Preis.
  • Messing, Bronze und Nickel: Diese drei Materialien weisen dieselben Eigenschaften auf. Sie sind nicht nur zu 100 Prozent korrosionsbeständig und antimagnetisch, sondern hinterlassen beim Manipulieren der Uhrenteile auch kaum Spuren. Die Wahl zwischen diesen Materialien hängt also von den Vorlieben des Uhrmachers ab.
  • Holz: Da es sehr weich ist, hinterlässt es beim Manipulieren der Uhrenteile keine Spuren. Es wird somit oft für die Arbeit an weichen Materialien verwendet. Meist sind Holz-Kornzangen eigentlich aus Stahl, und nur die austauschbaren Spitzen sind aus Holz. 
  • Plastik: Dank ihrer bekannten Isoliereigenschaften finden beim Batteriewechsel meist Uhrmacherpinzetten aus Plastik Verwendung.

 

Schraubenzieher

Schraubenzieher, in Fachkreisen «Schraubendreher», werden oft als Set angeboten, auf einem Drehsockel mit rutschfester Sohle, was das Manipulieren und Versorgen vereinfacht. Ein solcher Sockel kann bis zu etwa zehn Schraubendrehern enthalten. 

 

Bergeon-Schraubendreher
Bei Initium verwendete Bergeon-Schraubendreher

 

Der Schraubenzieher ist ein unerlässliches Uhrmacherwerkzeug und dient zum Zusammenbau, Auseinandernehmen sowie zur Regulierung des Zeitmessers. Man kann damit nämlich an winzig kleinen Elementen im Uhrwerk arbeiten. 

Die Schraubendreher bestehen meist  aus nichtrostendem Stahl mit einer Elastomer-Membran. Ihr ergonomischer Kopf aus dem selbstschmierenden Kunststoff POM (Polyoxymethylen) vereinfacht ihre Handhabung. 

 

Lupen

In der Uhrmacherei gibt es beim Manipulieren winziger Uhrwerkteile oft Sehschwierigkeiten. Deshalb greifen die Uhrmacher zur Lupe als Hilfsmittel zur Verbesserung ihrer Sehkraft sowie ihrer Genauigkeit. 

 

Uhrmacherlupen
Eine der einfachen, bei Initium
verwendeten Uhrmacherlupen

 

Uhrmacherlupen gibt es in verschiedenen Formen, denen gemein ist, dass sie dem Uhrmacher erlauben, beide Hände freizubehalten:

  • Lupen mit Halter sitzen am Ende eines Metalldrahtstirnbandes, das die Lupe am Kopf fixiert.
  • Brillenlupen besitzen am Rand eine Klammer, mit der sie an Sehbrillen befestigt werden können.
  • Die einfache Lupe wird durch Anspannung der Augenmuskeln in der Höhlung des Auges festgehalten.

 

Schmiermittel

Im Uhrmacherhandwerk ist Schmieren unerlässlich. Der beim Schmieren angebrachte Öl- oder Fettfilm verhindert den direkten Kontakt der betreffenden Teile. Dies ist wichtig, denn Reibung kann Energieverlust oder Verminderung der mechanischen Leistung bewirken.

Schmieren
Ein zum Schmieren von Uhren dienender  Ölbehälter

 

Meist befinden sich die Schmiermittel für Uhren in einem Ölbehälter, in dem die Öle und Fette zum Schmieren der Uhrenteile aufbewahrt werden können. 

 

Die meisten Modelle sind vierteilig und besitzen vier Näpfe für die benötigten Materialien. Aus diesen entnimmt der Uhrmacher mithilfe eines kleinen Pinsels die nötige Menge und trägt sie auf die Uhrwerkteile auf.  

 

Werkzeug für Uhrengehäuse

Das Gehäuse ist das optisch zentrale Element der Uhr und schützt das Uhrwerk vor Stössen, Staub und Feuchtigkeit. 

Zum Schliessen des Gehäuses muss man den Boden der Uhr, den dem Zifferblatt entgegengesetzten Deckel, befestigen. Dabei reicht die Kraft der Uhrmacherhände meist nicht aus. Deshalb werden zum Schliessen des Gehäuses je nach Art des Bodens verschiedene Werkzeugtypen empfohlen. 

 

  • Schliessen von Gehäusen mit Druckboden

Meist dient ein Pressstock aus Stahl mit Gewindemechanismus als stabiles Werkzeug zum Schließen von Uhrengehäusen mit Druckböden.  

Das zum Schliessen von Druckböden benötigte Werkzeug
Das zum Schliessen von Druckböden benötigte Werkzeug

 

  • Schliessen von Gehäusen mit Schraubboden

Je nach Vorliebe hat der Uhrmacher verschiedene Möglichkeiten, Gehäuse mit Schraubböden zu schliessen. Meist nimmt man Schraubenzieher zu Hilfe. 

Doch gibt es auch andere Hilfsmittel, beispielsweise einen Gehäuseöffner in Form eines stark haftenden Gummiballs, einen Jaxa-Gehäuseöffner oder einen speziellen Pressstock für Schraubböden. 

 

Ein haftender Gummiball: ein wirksames Mittel zum Öffnen und Schliessen von Schraubböden 

 

Ein haftender Gummiball: ein wirksames Mittel
zum Öffnen und Schliessen von Schraubböden

 

  • Einschalungskissen

Das Einschalungskissen besitzt eine flache Oberfläche, auf die Uhrenteile gelegt werden können, insbesondere das Uhrengehäuse, um es einzubauen («Einschalung»), worauf schon der Name hinweist. Es besteht oben wie unten aus weichem, rutschfestem Material, das ein Zerkratzen des Uhrenglases verhindert. 

 

Das Einschalungskissen
Das Einschalungskissen, ein für den
Uhrmacher unentbehrliches Hilfsmittel

 

Ein Skelettuhrwerk
Ein Skelettuhrwerk von Initium auf einem unserer Einschalungskissen

 

Werkzeug für Uhrarmbänder

Für den Uhrmacher ist das Werkzeug zum Setzen und Entfernen der Federstege unentbehrlich. 

Bei den meisten Armbanduhren ist das Band durch einen Federsteg befestigt. Dieser enthält eine Druckfeder, mittels der das Uhrarmband an den Hörnern des Uhrengehäuses fixiert werden kann. 

 

Unser Initium-Werkzeug
Unser Initium-Werkzeug zum Befestigen und Wechseln der Uhrenarmbänder

 

Das Federstegwerkzeug besitzt meist eine Spitze und eine Gabel mit Hebelwirkung zum einfacheren Manipulieren des Federstegs.

 

Werkzeug für Zeiger

Will man sichergehen, dass die Zeiger präzise gesetzt werden und sich diese Arbeit erleichtern, sollte man unbedingt einen speziellen Pressstock zum Zeigersetzen benutzen. 

 

Das geeignete Werkzeug zum Einpressen der Zeiger
Das geeignete Werkzeug zum Einpressen der Zeiger: ein Pressstock zum Zeigersetzen

 

Dieses Werkzeug ermöglicht es, in rechtem Winkel auf das Zentrum des Zeigers zu drücken, ohne die Zeigerwelle (Achse der Zeiger) zu berühren. Dabei ist es jedoch wichtig, den Druck richtig zu dosieren, um die Zeiger nicht zu verbiegen.  

 

Uhrwerkhalter

Als empfindlichster Teil einer Uhr kann das Uhrwerk nicht direkt auf einem Tisch oder in den Händen des Uhrmachers bearbeitet werden. 

 

Um Schäden zu vermeiden, wird ein Uhrwerkhalter benötigt, der das Uhrwerk während der Arbeit sichert. Dieses Werkzeug gleicht einem kleinen verstellbaren Schraubstock und besteht oft aus vernickeltem Messing. 

Zur Sicherung des Uhrwerks benötigter Halter
Zur Sicherung des Uhrwerks benötigter Halter

 

Hilfsmittel zum Schutz 

  • Arbeitsunterlage

Hierbei handelt es sich um eine rutschfeste oder selbsthaftende Arbeitsmatte, die man nach der Arbeit wieder wegnehmen kann. Die Arbeitsunterlage ist sehr resistent gegen die in der Uhrmacherei verwendeten chemischen Produkte wie Lösungsmittel oder Alkohol. 

 

Die Arbeitsunterlage gibt den nötigen Schutz

 

Diese Matten zum Schutz des Werktisches gibt es in den verschiedensten Farben, um genügend Kontrast mit den Uhrwerkteilen herzustellen und so dem Uhrmacher die Arbeit zu erleichtern.  

 

Zwei unsere Initium-Uhrmachermeister benutzt die Arbeitsunterlage

 

  • Fingerlinge

Fingerlinge gehören zur Grundausrüstung jedes Uhrmachers. Ihre Aufgabe ist jedoch nicht der Schutz der Finger des Handwerkers, sondern der Schutz der Uhr und des Uhrwerks vor Schmutz und Verunreinigungen. 

 

Die Fingerlinge schützen das Uhrwerk auch vor einer auf Berührung mit der Haut des Uhrmachers zurückzuführenden Oxidierung. 

 

Fingerlinge sind aus der Grundausrüstung des Uhrmachers nicht wegzudenken

 

Es gibt sie mit oder ohne Latex, doch sind sie meist antistatisch und puderfrei.

 

Hilfsmittel zum Aufräumen und Sortieren

  • Staubschutzglocke 

Dieser hermetische Schutz, meist aus Glas, dient zum Wegräumen von Uhrenteilen oder Uhrwerken und zu deren Schutz vor Staub oder anderen Einwirkungen, wenn nicht an ihnen gearbeitet wird.

 

Die Staubschutzglocke als
Schutz für das Uhrwerk

 

 

  • Arbeitsteller 

Der Teller ist das Teil, auf dem die Staubschutzglocke fixiert wird. 

 

Arbeitsteller mit der zugehörigen Staubschutzglocke

 

Diese Ablageschale bietet Platz zum Manipulieren oder Ablegen kleiner Uhrwerkbestandteile wie Steine oder auch Schrauben. 

 

Eines Uhrwerks vor dem Auseinandernehmen
Ansicht eines Uhrwerks vor dem Auseinandernehmen, und mit seinen Bestandteilen
auf einem Arbeitsteller anlässlich
einer Einführung in die Uhrmacherei bei Initium

 

Werkzeug zur Pflege und Reinigung

  • Lederfeilen

Dieses Werkzeug in Form eines schmalen Holzstücks ist auf einer Seite abgedeckt, meist mit Rindsleder oder Filz. 

 

Lederfeilen dienen zum Reinigen von Uhren
Lederfeilen dienen zum Reinigen von Uhren

 

Mit der Lederfeile werden hauptsächlich empfindliche Uhrenteile, wie beispielsweise das Zifferblatt, gereinigt und manchmal auch poliert. 

 

  • Staubbläser

Dieses birnenförmige Instrument aus Gummi wird als Werkzeug bei jedem Arbeitsvorgang am Uhrwerk benötigt. Man kann damit das Uhrwerk und gewisse Organe der Uhr entstauben, denn es besteht immer das Risiko, dass Feinstaub ins Uhrwerk gelangt. 

 

Staubbläser

 

Er funktioniert wie ein Blasebalg und hinterlässt gar keine Spuren ; auch seine meist aus PVC bestehende Spitze verursacht bei einem unfreiwilligen Zusammentreffen keinerlei Kratzer. Jeder Staubbläser besitzt hinten ein Einlassventil, das verhindert, dass vorhandener Staub durch die Düsenspitze wieder angesaugt wird. 

 

  • Rodico

Die Rodico-Reinigungsmasse ist beim Reinigen von Uhren sehr nützlich. Man könnte fast sagen, Rodico sei der beste Freund des Uhrmachers! 

   

 

Rodico, unverzichtbar bei der Uhrenreinigung

 

Die Verwendung ist recht einfach: die blaue Masse dient zum Reinigen des ganzen Uhrwerks, wenn es um Fingerabdrücke oder -spuren oder die Entfernung von überschüssigem Öl geht. Dank ihres ausgezeichneten Aufnahmevermögens ist sie bestens geeignet, um jede Ablagerung risikolos zu entfernen. 

 

 

Bei Initium freuen wir uns als Botschafter der Uhrmacherei immer sehr, die Neugier aller Interessierten zu befriedigen, was Material oder Werkzeug des Uhrmachers angeht. 

Kommen Sie einfach bei einer unserer Werkstätten vorbei und entdecken Sie so weitere Einzelheiten zur mechanischen Schweizer Uhrmacherei und zur dazugehörigen Ausrüstung! 

 

Quellen

https://www.outils-horloger.eu
https://www.gearpatrol.com
https://www.selvatime.ch
https://www.venus-diffusion.com
https://www.web-horloger.fr
https://mdwatch.ch
https://www.mon-petit-horloger.fr